ENTDECKUNGEN : Malta



Archipel der kulturellen Vielfalt

Nein, Malta ist nicht nur ein Urlaubsziel für frisch gewählte französische Präsidenten, es ist auch eines der außergewöhnlichsten Länder Europas. Malta ist nur zweimal so groß wie Liechtenstein beziehungsweise drei Mal so groß wie Paris und damit eines der zehn kleinsten Länder der Welt. Dennoch wurde dieser felsige Archipel, dessen Hauptinsel weder Seen noch Flüsse hat, die ständig Wasser führen, zum kulturellen und geografischen Angelpunkt Südeuropas. Malta errang 1964 seine Unabhängigkeit und wurde als Republik im Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union.



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Malta

Ein Archipel im Herzen des Mittelmeers





Der Dreh- und Angelpunkt Südeuropas – eine kurzer Blick auf die Geschichte

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Ein Beispiel maltesischer Architektur

Obwohl der kalkreiche und nicht besonders fruchtbare Boden den vorbeifahrenden Seeleuten nicht sehr einladend erschienen sein dürfte, schaffte Malta es durch seine geografische Lage, etwa 90 Kilometer von der Südküste Siziliens und je circa 350 Kilometer von Tunesien und Libyen entfernt, zum natürlichen Angelpunkt des Mittelmeers zu werden. Wer Südeuropa beherrschen wollte, musste auch Malta beherrschen. In der Jungsteinzeit bevölkerten Menschen die Inseln und eine neue Zivilisation entwickelte sich. Noch heute sind zahlreiche Spuren von damals sichtbar, einige davon zählen zu den am besten erhaltenen Europas. Im Lauf der Geschichte wurde der Archipel von Phöniziern, Griechen, Karthagern, Römern, Byzantinern, Arabern, Normannen und Sizilianern beherrscht und alle prägten die Inseln mit ihrer jeweils eigenen Religion, Architektur und Kultur. So war das ständig umkämpfte Malta sowohl kulturell als auch militärisch ein sehr wichtiger Punkt für jedes einzelne Reich, das es eroberte. Noch heute sind die Spuren all dieser mächtigen Kulturen noch deutlich sichtbar und so ist es in diesem kleinen Land nicht ungewöhnlich, direkt neben einer arabischen Stadt auf einen römischen Tempel zu stoßen.


Geschichte und Religion Im Jahre 60 unserer Zeit soll der Apostel Paulus Schiffbruch erlitten haben, so nach Malta gekommen sein und das Christentum auf die Inseln gebracht haben. Die Religion wurde während der nachfolgenden Besetzungen verschiedener Herrscher geschwächt, aber während des 16. Jahrhunderts, insbesondere mit dem Auftauchen der Malteserritter, wieder vorherrschend. 1530 wies Karl V, Kaiser des heiligen römischen Reiches, König von Spanien und Herrscher von Neapel und Sizilien, Malta dem Johanniterorden zu, um das Mittelmeer zu sichern. Der Orden wurde fortan Malteserorden genannt und prägte die Inseln stark. 1566 wurde unter Jean Parisot de la Valette, dem Großmeister des Ordens, die heutige Hauptstadt des Archipels, Valletta, gegründet und nach diesem benannt. Die Herrschaft der Malteserritter ging 1798 mit der Eroberung durch Napoleon zu Ende, hinterließ aber großartige Bauten, die heute der Stolz der Hauptstadt sind.


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Das Parlament

Zentrum der Macht, idyllisch gelegen

Ebenso wie andere Eroberer nahm auch Napoleon Malta auf seinem Weg nach Afrika ein. Zwei Jahre später rebellierten die Malteser, die von den finanziellen, administrativen und religiösen Reformen Napoleons erzürnt waren, mit britischer Unterstützung gegen die Franzosen. Danach überließ Großbritannien die Inselgruppe jedoch nicht den Maltesern, sondern gliederte Malta 1814 offiziell als Kronkolonie in das Britische Empire ein. Und wieder mussten sich die Malteser der Herrschaft einer ausländischen Macht beugen. Die Unzufriedenheit wuchs, nationalistische Forderungen wurden lauter und die Briten machten dem Volk einige Zugeständnisse, wie die offizielle Anerkennung der Landessprache Maltesisch.

Steckbrief


- Name : Republik Malta
- Bevölkerung : 400 000 Einwohner
- Fläche : 316 km²
- Bevölkerungsdichte : 1200 Einwohner pro km²
- Hauptstadt : La Valetta
- Amtssprachen : Maltesisch und Englisch
- Währung : Euro
- Staatsform : Parlamentarische Republik




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Die Flagge von Malta

Das Kreuz ist das Kreuz König Georgs. Es wurde ihm von Großbritannien aufgrund seiner Haltung im Zweiten Weltkrieg verliehen.

1964 errang Malta dann letztendlich seine Unabhängigkeit. Das Land wurde Mitglied des Commonwealth, was es noch heute ist. 1974 wurde Malta zu einer unabhängigen parlamentarischen Republik.

Eine schwierige Außenpolitik

Im Hinblick auf seine Außenpolitik ist Malta trotz seiner 7000-jährigen Geschichte noch sehr jung. Die Lage zwischen Europa und Afrika ist sowohl unsicher als auch von strategischem Nutzen. Seit den 1970er Jahren pflegt Malta enge Beziehungen zu den Mittelmeerländern, insbesondere zu Libyen. Diese Beziehungen sind etwas abgekühlt, da Malta sich mehr in Richtung Europäische Union orientierte. Gleichzeitig entschied Malta, offiziell neutral zu bleiben. Diese Politik der Neutralität, die Malta 1981 einschlug, wurde in die Verfassung von 1987 aufgenommen. Malta bewarb sich 1990 offiziell um eine EU-Mitgliedschaft. Die Frage um den EU-Beitritt blieb aber weiter ungeklärt und so zog die Arbeiterpartei von Malta die Kandidatur 1996 zurück. Dennoch, die Idee hatte Form angenommen und die starken politischen Kräfte sahen die EU positiv. So wurde Malta schließlich 2004 EU-Mitglied und stimmte der europäischen Verfassung 2005 zu. Malta befürwortet eine stärkere EU mit mehr Kompetenzen insbesondere im Bereich der Immigrationspolitik. Malta ist wegen seiner geografischen Lage starken und nicht immer legalen Migrantenströmen ausgesetzt, die Malta als Tor zu Europa nutzen. Mit seiner hohen Bevölkerungsdichte von 1200 Einwohnern pro Quadratkilometer kann der Inselstaat jedoch kein starkes Bevölkerungswachstum verkraften. Der kleine Mittelmeerstaat will seinen Status als Angelpunkt zwischen Europa und Nordafrika nicht verlieren und engagiert sich in der Gestaltung einer europäischen Mittelmeerpolitik. So ist Malta Teilnehmer des Barcelona-Prozesses und des 5 + 5 Dialoges. Außerdem hat das Land Konferenzen für die Europäisch-Arabische Sommeruniversität veranstaltet.


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Die Residenz des Premierministers

Der Barcelona-Prozess und der 5 + 5 Dialog

Der Barcelona-Prozess wurde von der Europäischen Union und verschiedenen Mittelmeerländern ins Leben gerufen, um die Beziehungen von Nachbarstaaten zu vertiefen. Seine zwei Hauptziele sind Frieden durch Dialog, sowie größeren Wohlstand durch eine Freihandelszone zu schaffen. Die Teilnehmer sind die 25 Mitgliedstaaten der EU, die Europäische Kommission, Algerien, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Ägypten, Libyen, Marokko, Syrien, Tunesien, und die Türkei. Libyen hat momentan nur Beobachterstatus. Im Rahmen des Barcelona-Prozesses wurden informelle politische Instrumente wie das Mittelmeer-Forum geschaffen.

Der 5 + 5 Dialog ist das Ergebnis einer Idee aus dem Jahre 1980. Anfänglich umfasste er die europäischen Länder Portugal, Spanien, Frankreich und Italien und die fünf nordafrikanischen Länder Mauretanien, Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen. Malta wurde 1991 zum zehnten Mitgliedsstaat. Nach einem ziemlich chaotischen Start finden seit 2001 regelmäßige Treffen zwischen den Außenministern der Länder statt. Seit 2003 nimmt auch die Europäische Kommission teil.


Eine serviceorientierte Wirtschaft

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Gozo

Die Malteser wissen die Insel Gozo als Ziel für Wochenendausflüge zu schätzen. Außerdem ist sie bedeutend für Maltas Landwirtschaft. Hier werden Oliven und Kapern angebaut, sowie Ziegenkäse hergestellt.

Der felsige Archipel kann sich einer Platzierung in den Top Ten der kleinsten Länder der Welt rühmen, hat aber wenige natürliche Ressourcen. Die Böden sind unfruchtbar, es gibt weder Süßwasserreservoire noch Bodenschätze. Malta ist von der Versorgung mit Lebensmitteln und Industriegütern abhängig und kann von der kleinsten geopolitischen Turbulenz erschüttert werden. Malta ist geografisch nicht unproblematisch gelegen, weiß aber seine Vorteile zu nutzen.
  Wie in Irland spricht die gesamte Bevölkerung Englisch und hat ein gutes Bildungsniveau.
  Ähnlich wie Frankreich ist Malta ein natürlicher Dreh- und Angelpunkt, den 15 % der Schiffe im Mittelmeer passieren.
  Wie alle Mittelmeerländer hat Malta das Potenzial für Massentourismus.

Zugegebenermaßen stößt man hier schnell an Grenzen, wenn man nach großen Sandstränden sucht, aber Malta hat mit seinem einzigartigen kulturellen und historischen Erbe einiges zu bieten.


Die Geografie

Der maltesische Archipel mit seiner Fläche von 316 km² liegt 93 km südlich von Sizilien, 288 km östlich von Tunesien und 340 km nördlich von Libyen. Er ist zentral im Mittelmeer gelegen, beinahe auf halber Strecke zwischen dem 1826 km entfernten Gibraltar und dem 1510 km entfernten Alexandria. Malta teilt Seegrenzen mit Italien, Tunesien, Libyen, Griechenland und Albanien. Der Archipel besteht aus den zwei Hauptinseln Malta und Gozo, sowie vier weiteren kleineren Inseln, von denen nur Comino bewohnt ist. Die Hauptstadt Valletta, sowie die meisten anderen wichtigen Städte des Landes liegen auf der Insel Malta, die eine Fläche von 246 km² hat, während Gozo sich über 67 km² erstreckt. Vom südöstlichsten Punkt der Insel Malta bis zur gegenüberliegenden Seite sind es 27 km, von der West- zur Ostseite nur 14. Die Böden sind kalkhaltig und die Vegetation typisch für den Mittelmeerraum, mit wenigen Bäumen und Terrassenfeldbau. Malta ist mit 400 000 Einwohnern und einer Einwohnerdichte von 1200 Einwohnern/km² nach Monaco, Singapur und dem Vatikanstaat das am dichtesten besiedelte Land der Erde !


Mit all diesen Voraussetzungen konnte sich in Malta eine Nischenwirtschaft innerhalb bestimmter Sektoren entwickelt. Die Industrie, die 22 % des BIP ausmacht, basiert auf einem soliden Netz aus kleinen und mittelständischen Familienunternehmen. Die Exporte der Firma ST Microelectronics machen mehr als die Hälfte des Gesamtexports aus, was hinsichtlich der Abhängigkeit von den Bilanzen der französisch-italienischen Firma problematisch ist.

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Der öffentliche Nahverkehr.

Ein hochentwickeltes Verkehrsnetz. In diesen maltesischen Bussen findet man ganz selbstverständlich Heiligenbilder und die Jungfrau Maria.

Maltas wahre Stärke liegt im Servicesektor, der sich seit der Unabhängigkeit entwickelt hat, und heute 75 % des BIP ausmacht. Allein der Tourismus hat mit einer Million Besuchern pro Jahr einen Anteil von 35 % am BIP und so haben viele Malteser gleichzeitig zwei oder drei verschiedene Arbeitsstellen. Früher hatte Malta jedoch auf Massentourismus gesetzt und wurde von den wirtschaftlichen Folgen des 11. September 2001 getroffen. So hat die Regierung sich entschlossen, es mit exklusiveren Tourismusangeboten zu versuchen, wie zum Beispiel mit Wassersport oder Meer- und Heilwassertherapien. Malta hat sich auf einen besonderen Sektor im Servicebereich spezialisiert, und zwar auf die Schifffahrt. Mit 1500 Schiffen unter maltesischer Flagge hat eines der kleinsten Länder der Welt Europas größte Handelsflotte. Die neueste Marktnische, die Malta für sich entdeckt hat, sind Englischkurse für junge Leute und Berufstätige. Malta hat eine gesunde Wirtschaft (der Lebensstandard ist höher als der in Portugal) und hat deshalb auch den Euro als Währung eingeführt. Um die Mitgliedschaft in der Eurozone zu sichern hat Malta, wie auch Italien und Griechenland, in den 90er Jahren eine strenge Wirtschaftspolitik verfolgt, Strukturreformen durchgeführt und den Haushalt konsolidiert.

Ein Land, zwei Sprachen, drei Inseln, eine multikulturelle Identität

Seit jeher war Malta ein Kaleidoskop großer Kulturen und das Herz ihrer Ausbreitung im Mittelmeerraum. Diese Besonderheit in Maltas Geschichte ist noch heute wahrnehmbar, betrachtet man zum Beispiel die Städtenamen, die römisch (Victoria, Floriana, Pietà), aber auch arabisch (Rabat, Sliema, Mostra, Zejtun) oder einfach maltesisch (Marsaxlokk, Zebbug) sein können.

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Fischerboote in Marsaxlokk

Gut erhaltene historische Gebäude zeugen von einer langen Reihe verschiedener Herrschaften, wie der römischen, der karthagischen, der türkischen, der französischen und der englischen. Und so ist es kein Wunder, dass Malta ebenso ein kleines Sizilien mit mediterraner Küche und einer zu 96 % katholischen Bevölkerung ist, wie auch ein Beispiel britischer Kultur, was im politischen System und dem Linksverkehr zum Ausdruck kommt. Malta ist auch ein würdiger und typischer Vertreter des Commonwealth, betrachtet man die Leidenschaft der Malteser für die englische Fußball Premier League und ihre Unterstützung für das englische Team während der Weltmeisterschaft.


Kartenmaterial : Wikipedia / Französisches Außenministerium

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26 mars 2008

Par Jana GUTBROD (Übersetzerin), Solène LAVIEC

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