ENTDECKUNGEN : Transnistrien, das Phantom in Europa (1/3)

Teil I : Vom Ursprung eines Staates bis an den Rand des Möglichen
Moldawien wird durch den EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens ab Januar 2007 mit Weißrussland und der Ukraine die Grenze der Europäischen Union bilden. Unser neuer Nachbarstaat bleibt jedoch bis heute mysteriös. Als lateinisches Land, das sich zwischen der Ukraine und Rumänien erstreckt, stellt Moldawien durch seine Geschichte, seine ethnische Vielfalt, aber auch durch die rasanten Entwicklungen, die es die letzten Jahre durchlebt hat, eine leibhaftige Zusammenfassung der Charakteristika Mittel- und Osteuropa dar.
Der Ursprung des Namens „Moldawien“ stammt von dem Gebiet, das sich vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zwischen den Karpaten und dem Dniestr erstreckte. Seit dem 15. Jahrhundert war das Fürstentum Moldawien in das Osmanische Reich eingegliedert. 1812 teilten die großen benachbarten Mächte, das russische Reich und Rumänien, das Gebiet Moldawiens unter sich auf. Nach dem Rumänien schon 1859 unabhängig wurde, entschied sich Bessarabien ein Jahr nach seiner Unabhängigkeit vom russischen Reich im Jahr 1917 für einen Anschluss an Rumänien. 1940 wurde das Territorium von der Sowjetischen Union annektiert und wurde zum heutigen Gebiet Transnistriens. Die Russen nannten es 1924 „Sozialistische Sowjetrepublik Moldau“, um den sowjetischen Einfluss über Bessarabien hervorzuheben.
Anhand dieser unterschiedlichen Entwicklungen auf beiden Seiten des Dniestr kann man bereits ethnische, soziale und ökonomische Unterschiede beobachten. Der westlich vom Dniestr liegende Teil folgte der stalinistischen Industrialisierung, wohingegen das bessarabische Land abhängig von der Landwirtschaft blieb. Während der Industrialisierung und der Sowjetisierung Moldawiens siedelte die Führung in Moskau eine große Zahl von russischen und ukrainischen Spezialisten in den großen Städten und in Transnistrien dort an, wo die Industrie auf ihre Kenntnisse angewesen war. Auch die Rote Armee war zu großen Teilen auf transnistrischen Boden stationiert.

- Transnistrien
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Zwischen der Ukraine und Moldawien, entlang des Dniepr, erstreckt sich Transnistrien heute
Die Perestroika hat Ende der 80er Jahre zu einem verstärkten Zusammengehörigkeitsgefühl des moldawischen Volkes mit einer gemeinsamen Kultur und Sprache beigetragen, die mit der Entwicklung eines sozialen Fortschritts einherging. Die ersten Erfolge der promoldawischen Bewegung, die später die „Moldawische Volksfront“ gründete, waren eine neue Gesetzgebung bezüglich der Sprache und ein Wechsel an der Spitze der moldawischen sozialistischen Partei. Ihr Erfolg bei den sowjetischen Wahlen 1990 stärkte die Volksfront weiter. Eine Marktwirtschaft begann sich zu entwickeln und Reformen führten zu einer „Moldawisation“ der Institutionen. Das Programm der Volksfront enthielt auch die Idee einer Einheit mit Rumänien. Aber die transnistrischen Städte, in der viele Bürger russischer und ukrainischer Herkunft wohnten, verweigerten diese Reformideen. Im Juni 1990 verabschiedete das moldawische Parlament ein Gesetz, das moldawisch zur offiziellen Amtssprache machte. Dies missfiel der russisch-ukrainischen Bevölkerung - Transnistrien zählt zwischen 35 und 40% Moldawisch-Rumänen, ungefähr 28% Ukrainern und 24% Russen). In den Städten entwickelte sich eine Protestbewegung gegen die Sprachgesetze.
Nachdem Moldawien seine Unabhängigkeit erklärt hatte, wurde am 2. September 1990 die Sozialistische moldawische Sowjetrepublik Transnistrien gegründet ; die Hauptstadt wurde Tiraspol. Nach dem Putsch in Moskau, erklärten Moldawien und Transnistrien am 27. August 1990 offiziell ihre jeweilige Unabhängigkeit. Die Separatisten vom Dniestr dagegen versuchten mit allen Kräften, ihre Macht über die von ihnen kontrollierten Gebiete zu behalten. Sie bildeten eine eigene Miliz und bedrohten die andersdenkenden Bewohner. Anlässlich eines Referendums im Dezember 1991 sprach sich das transnistrische Volk für die totale Unabhängigkeit des Territoriums aus. Während die Moldawier russische Monumente vernichteten, stellten die Transnistrier weiter Leninstatuen auf und verkündeten Siegesparolen der Arbeiterklasse.

- Die Flagge Transnistriens
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Sichel und Hammer werden nicht mehr auf der Flagge abgebildet, bleiben aber weiterhin Staatssymbole.
Am 1. Dezember 1991 wurde der russische Firmenchef Igor Smirnov zum Präsidenten der transnistrischen Republik gewählt. In den Städten Bender und Dubossary, die noch unter moldawischer Kontrolle waren, kam es daher zu militärischen Auseinandersetzungen. Die Kämpfe erreichten im Juni 1992 ihren Höhepunkt, als die am rechten Ufer des Dniestr gelegene Stadt Bender von durch Kosaken unterstützte transnistrischen Kämpfern eingenommen wurde. Hunderte von Soldaten und Zivilisten ließen ihr Leben. Nur durch ein massives Engagement der 14. Armee, kommandiert vom russischen General in Sibirien, Alexander Lebed, konnten die Kämpfe beendet werden. Dies bedeutete eine Niederlage für die moldawische Armee. Ein Waffenstillstandsabkommen wurde am 21. Juli geschlossen und beinhaltete auch die Einrichtung einer Sicherheitszone entlang des Dniestr. Die Stadt Bender erhielt einen Sonderstatus : Im April 1993 begann eine Mission der OSZE damit, eine dauerhafte Lösung für den Konflikt in Moldawien zu erarbeiten.

- Der Sitz der Zentralregierung
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In der Hauptstadt Tiraspol thront vor dem Regierungssitz eine Lenin-Statue (Quelle : Travel Image)
Russland und die Ukraine machen zurzeit nur wenig Fortschritte bei der Lösung des Konflikts. Vorschläge über eine Regelung der Unabhängigkeit Transnistriens wurden von Regierungsvertretern der moldawischen Republik Transnistrien immer wieder zurückgewiesen. Sie wollen einen souveränen transnistrischen Staat innerhalb einer Föderation mit der Republik Moldawien. 2004 erklärten sich Moldawien und Transnistrien bereit, eine Föderation mit zwei Einheiten unter dem Namen „Föderaler Staat von Moldawien und Dniestr“ zu gründen.

- Präsident Igor Nikolajewitsch Smirnow
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Offizielle Porträts des seit 1992 amtierenden Präsidenten Transnistriens
Beobachtet man die Entwicklungen der Beziehungen zwischen Transnistrien und Moldawien, so ist festzustellen, dass Russland kein Interesse daran hat, den Konflikt schnell zu lösen. Die Aufrechterhaltung der Militärmacht erlaubt es Russland, seinen erheblichen Einfluss in der Region aufrecht zu erhalten. Die strategische Lage der ‚slawischen Enklave am Dniestr’ ist somit ein wichtiges Element russischer Innenpolitik. Der Konflikt erlaubt es Russland, sich als unentbehrlicher Dialogpartner in der Region zu behaupten. Besonders das Risiko einer Ausweitung des Konflikts, was einen russischen Militäreinsatz nach sich ziehen könnte, dient als Rechtfertigung der Stationierung russischer Truppen in der Region.

- Präsentes Militär
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Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Transnistriens, geschätzte 550 000 Menschen, besteht aus Militärpersonal oder derenen Familienangehörige (Quelle : BBC News)
Der Wunsch der transnistrischen Regierung, einen international anerkannten souveränen Staat zu bilden, wird von russischer Seite nicht geteilt. Auf der anderen Seite aber weist Transnistrien eine Teilautonomie innerhalb der moldawischen Republik, wie es die OSZE und die moldawische Regierung vorschlagen, immer wieder zurück.
Der russische Einfluss auf die Akteure des Konflikts und den Einigungsprozess ist ein Schlüsselelement des Konflikts. Sowohl Transnistrien als auch Moldawien sind besonders im Energiebereich, aber auch wegen der katastrophalen Finanzlage, von Russland abhängig. Darüber hinaus lässt sich auch ein zunehmender kommunistischer Einfluss auf das moldawische Parlament beobachten.
Lest auch die Fortsetzung dieser Entdeckungsreise durch Transnistrien : Teil II : Die russischen Interessen in Transnistrien, oder wie man die Kontrolle über ein Stückchen Europa behält
Bildquellen : Kartenmaterial : Perconte, Lizenz : GNU-FDL News BBC : http://news.bbc.co.uk/ Travel image : www.travel-image.com
Aus dem Französischen übersetzt von Maria Zandt
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ENTDECKUNGEN : Transnistrien, das Phantom in Europa (1/3)
page perso : http://www.fischka.com, 27 septembre 2007
Sehr umfangreiche politische Abhandlung Transnistriens. Es gitb mittlerweile ein Buch zu diesem Land, dass sehr viel Bildmaterial und Interviews mit Transnistriern beinhaltet. Siehe http//www.fischka.com
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